Fachartikel und Medien 

In dieser Rubrik finden Sie Fachartikel zu ausgewählten Themen aus den Bereichen Psychotherapie, Sexualtherapie und Diagnostik.

Die Beiträge greifen Fragen auf, die mir in meiner therapeutischen Arbeit häufig begegnen. Ziel ist es, psychologische Zusammenhänge verständlich darzustellen und differenziert einzuordnen.

Körperliche Erregung und sexuelle Präferenz – was sagt eine körperliche Reaktion wirklich aus?


Herr K. sitzt mir sichtlich angespannt gegenüber. Seit Monaten beschäftigt ihn dieselbe Frage:

„Was bedeutet es, dass mein Körper in dieser Situation so reagiert hat?“

Immer wieder geht er diesen Moment gedanklich durch. Er analysiert seine körperliche Reaktion, sucht im Internet nach Erklärungen und befürchtet, sie könne etwas über seine sexuellen Interessen aussagen. Je mehr er darüber nachdenkt, desto unsicherer wird er.


Solche Fragen begegnen mir in meiner Praxis immer wieder. Viele Menschen gehen davon aus, dass körperliche sexuelle Erregung ein eindeutiger Hinweis auf sexuelle Wünsche oder sexuelle Präferenzen ist. Die Frage, was eine körperliche Reaktion tatsächlich aussagt, ist jedoch komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint.

Die Erfahrung einer körperlichen Erregung, ohne dass man sich diese erklären kann, ist häufig irritierend und verunsichernd. Viele Menschen ziehen aus einer körperlichen Reaktion den Schluss, ihr Körper verrate ihre „wahren“ Wünsche oder Interessen. Tatsächlich erlaubt eine körperliche Reaktion allein jedoch keine verlässlichen Rückschlüsse auf sexuelle Wünsche oder Präferenzen.


Körperliche sexuelle Erregung wird durch komplexe Prozesse im Nervensystem gesteuert, die sich weitgehend unserer willentlichen Kontrolle entziehen. Dabei spielt unter anderem das autonome Nervensystem eine wichtige Rolle. Deshalb können körperliche Erregungsreaktionen auftreten, ohne dass sie zwangsläufig die persönlichen Wünsche, Fantasien oder sexuellen Präferenzen eines Menschen widerspiegeln.

Hinzu kommt, dass Menschen sich hinsichtlich ihrer körperlichen Erregbarkeit unterscheiden. Manche Menschen reagieren bereits auf vergleichsweise geringe Reize mit einer körperlichen Erregungsreaktion.

Körperliche sexuelle Erregung kann darüber hinaus durch sehr unterschiedliche Faktoren beeinflusst und damit auch verstärkt werden. Beispielsweise durch Aufmerksamkeit, emotionale Aktivierung, Stress, Angst, Unsicherheit oder die intensive Beschäftigung mit einem bestimmten Thema.

Besonders bedeutsam ist dabei ein Phänomen, das viele Betroffene überrascht: Je stärker die Aufmerksamkeit auf mögliche körperliche Reaktionen gerichtet wird, desto häufiger werden diese wahrgenommen. Wer seinen Körper ständig beobachtet und kontrolliert, bemerkt selbst kleinste Veränderungen. Diese werden dann häufig als Beweis für eine befürchtete sexuelle Präferenz interpretiert, obwohl sie zunächst lediglich eine körperliche Reaktion darstellen.

Die Bedeutung einer körperlichen Reaktion lässt sich nur im Zusammenhang mit weiteren Informationen verstehen. Hierzu gehören beispielsweise das subjektive Erleben, sexuelle Fantasien und Wünsche, das Verhalten sowie der Kontext, in dem die körperliche Reaktion auftritt.

Wenn körperliche Reaktionen verunsichern oder Zweifel an der eigenen Sexualität auslösen, kann eine fachliche Einordnung hilfreich sein. Gerade in Bereichen, die mit Scham, Angst oder Unsicherheit verbunden sind, führt die Suche nach eindeutigen Antworten im Internet häufig zu weiterer Verwirrung.

Für Menschen wie Herrn K. entsteht die Belastung häufig nicht durch die körperliche Reaktion selbst, sondern durch die Bedeutung, die dieser Reaktion zugeschrieben wird.

Eine körperliche Reaktion allein erlaubt keine Aussage darüber, welche sexuellen Interessen oder Präferenzen ein Mensch hat.


Patricia Marnet
Juni 2026

Medienbeiträge


Gehirn & Geist (05/2008)

„Borderline-Störung: Dialektik fürs Gemüt"

Interview als Expertin zum Thema Borderline-Störung und Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT).



Deutsche Krebshilfe – „in vivo“ (2010)

„Chronische Leukämie“

Mitwirkung als psychotherapeutische Expertin in einem Fernsehbeitrag der Deutschen Krebshilfe zum Leben mit chronischer Leukämie.



Diabetes Ratgeber (02/2024)

„Sexualität: Lass uns reden, Schatz!“

Interview zu Sexualität, Partnerschaft und Diabetes.

https://www.presseportal.de/pm/52678/5716751